Deutschland kauft immer nachhaltiger - Wie Discounter diesen Trend fördern(1)
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Deutschland kauft immer nachhaltiger: Wie Discounter diesen Trend fördern

Das erste Mal, dass sich Bio im Regal befand, war im Februar 1998 in einer Discounter-Kette. Genauer gesagt in einigen Filialen von Aldi-Süd in Unterfranken. Dort konnte man Bio-Möhren der Marke Bergquell für 1,59 DM das Kilo kaufen.

Seitdem wird das Angebot an Bio-Lebensmitteln in Discounter-Supermärkten immer größer. Aber wie funktioniert das? Billig aber Bio? Zum einen wird durch die Konzentration auf wenige aber gefragte Produkte das Sortiment beschränkt. Das sind hauptsächlich Grundnahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte, Müsli, Eier, Nudeln, Kartoffeln sowie einige wichtige Obst- und Gemüsesorten. Hinzu kommen noch Produkte wie Öl, Honig, Kaffee und Tee und neuerdings auch etwa Wurst fürs Frühstücksbrötchen und ein wenig Frischfleisch.

Das genügt vor allem den Kunden, die gerne auf Bio zurückgreifen, aber das vor allem bei den Grundnahrungsmitteln tun. So können Kunden in einem Laden ihre günstigen konventionell erzeugten Produkte und ausgewählte ökologisch erzeugte Produkte kaufen.

Auch der Naturkosthandel profitiert von Bio im Discounter. Denn: Viele Kunden wollen mit der Zeit immer mehr und sich weiter greifend für Bio entscheiden. Hier können Discounter allerdings kaum noch mithalten. Der Gang zum klassischen Naturkosthandel mit einem umfassenden Sortiment an ökologisch produzierten Waren ist dann unumgänglich.

Die verschiedenen Bio-Label und was dahintersteckt: Premium Bio gleich Discounter Bio?

Alle hierzulande angebotenen Bio-Produkte sind auch tatsächlich Bio. Hier können wir, egal wo wir einkaufen, darauf vertrauen, dass wir auch Bio kaufen wo es draufsteht. Der Begriff Bio und Öko ist gesetzlich geschützt und Erzeugerbetriebe werden regelmäßig kontrolliert. Die Frage ist nur, wie genau und wie streng bei den einzelnen Bio-Siegeln ausgelegt wird. Das sechseckige Bio-Siegel – seit Juli 2010 ist es auch das EU-Bio-Logo – fällt mit den EU-Sternen in Form eines Blattes vor einem grünen Hintergrund definitiv auf. Diese Siegel finden wir auf den Eigenmarken der Discountern.

Die Richtlinien des EU-Bio-Siegels sind jedoch leider schwächer als die der anderen. Tierhaltung ist in einer deutlich höheren Dichte zugelassen und bei Bedarf darf auch konventionelles Futter, welches nicht vom eigenen Hof kommt, sowie konventioneller Dünger verwendet werden. Das EU-Bio-Siegel erlaubt sogar, dass Bio-Äcker mit konventioneller Gülle gedüngt werden. Bei ökologischen Anbauverbänden gelten hier beim Zukauf von Dünger und Futtermittel strengere Auflagen. Bei der Verarbeitung werden ebenso mehr Zusatzstoffe erlaubt. Bei EU-Bio sind das 53 Zusatzstoffe, bei Bioland und Naturland nur 22, bei Demeter sogar nur 21.

Anbauverbände schränken auch bestimmte Herstellungsverfahren ein, welche die Lebensmittel zu stark beeinflussen würden. Dadurch wird die Herstellung jedoch auch teurer, schwieriger und handwerklicher. Wer also die Spielräume der EU-Bio-Verordnung ausnutzt, kann Bio billiger anbieten und sich so einen Vorteil verschaffen.

Was jedoch nicht erlaubt ist: Bio-Schweine mästen und gleichzeitig zum Beispiel konventionelle Zuckerrüben anbauen.

Es sollte aber beachtet werden, dass auch Bio-Waren manchmal nach strengeren Richtlinien erzeugt sein können – ohne spezielles High-Quality-Siegel. Vor allem bei Obst und Gemüse kann dies der Fall sein. Landwirte, die nach den hohen Standards der Bio-Anbauverbände arbeiten und wirtschaften, können ihre Ware im Prinzip verkaufen an wen sie möchten. Beispiel: Wenn ein Landwirt das Demeter-Siegel hat, kann er seine Waren auch an Aldi verkaufen wo sie hingehen „nur“ das EU-Bio-Siegel erhalten.

Auch wenn es natürlich Unterschiede zwischen den Bio-Deklarationen gibt, sollten wir uns alle bewusst sein, dass jeder Quadratmeter Acker, welcher auf ökologischen Landbau umgestellt wird, ein Gewinn für unsere Umwelt ist.

Für Bio-Siegel wie Naturland, Bioland oder Demeter muss aktuell auch weiterhin der Weg in einen klassischen Bio-Markt auf sich genommen werden.

Discounter wollen das „Mehr“ an Service bieten

Angebote stöbern online: Welche Produkte in der kommenden Woche im Angebot sind, kann schon seit längerem auch online bei den Discountern nachlesen werden. So werden keine Angebote verpasst, auch wenn aus nachhaltigen Gründen der „Keine Werbung“-Aufkleber am Briefkasten klebt.

Mittlerweile bauen Discounter ihren Online-Auftritt immer weiter aus. So findet man neben den Online-Shops auch tolle Rezepte und Inspirationen für neue Gerichte. Bei Aldi-Sued ist besonders die Sortierung nach Hauptzutat spannend: Müssen die restlichen Kartoffeln verarbeitet werden? Als Hauptzutat „Kartoffel“ angeben und viele verschiedene Varianten finden, um Kartoffeln verarbeiten zu können.

Foto von Artem Beliaikin von Pexels

Julia unterstützt seit September 2019 die Redaktion von speisekarte.de. Begründet durch ihr Interesse an Nährstoffen und an einer ausgewogenen Ernährung bringt sie sich mit ihrem Wissen und Leidenschaft in den Blog ein. Darüber hinaus betreut sie unsere Kooperationspartner und freut sich über einen aktiven Austausch.

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