Was ist eigentlich… ein Dabbawala?

Sie stellen egourmery, foodora oder Lieferando in den Schatten und verfügen über das wohl bestorganisierte Liefersystem Indiens, wenn nicht sogar der ganzen Welt. Bis zu 5000 Dabbawalas liefern täglich rund 200.000 Essen in Mumbai aus. Und nicht nur das! Sie tauchen im Guinnessbuch der Rekorde auf, Virgin-Milliardär Richard Branson holt sich wertvolle Tipps und schaut den Dabbawalas bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter und sie sind Teil zahlreicher Managementstudien. Was sind also diese Dabbawalas und warum erfahren sie gerade solch enorme Beachtung?

Was ist ein Dabbawala?

Die Geschichte der Dabbawalas geht über 125 Jahre zurück, als ein Banker einen Weg suchte, jeden Mittag das frisch gekochte Essen seiner Frau ins Büro zu bekommen. Und so beauftragte er den ersten Dabbawala, einen Lieferanten also, der ab sofort die tägliche Lieferung des Mittagessens übernahm. Dabbawala leitet sich aus den Worten dabba für „Box“ und wala für „Träger“ her. Aus diesem vorerst individuellen Lieferservice wurde schon bald durch den Visionär Mahadeo Havaji Bachche der erste Lieferservice für Mittagessen gegründet, der zu dieser Zeit aus etwa 100 Dabbawalas bestand.

Dabei können die meisten Dabbwalas nicht mal lesen oder schreiben, dennoch kommt bei der täglichen Essenszustellung nur ein einziger Fehler auf etwa 16 Millionen Übergaben. Und das ganz ohne Navigationssystem, digitale Unterstützung oder gar Karten. Immer pünktlich bei einer Trefferquote von beinahe 100 Prozent und das im Verkehrschaos von Mumbai! Dabbawala ist hier zudem ein durchaus angesehener und auch gut bezahlter Beruf.

Wie funktioniert das Liefersystem der Dabbawalas?

Mittlerweile liefern bis zu 5000 Dabbawalas täglich rund 200.000 Essen in Mumbai aus. Die hierfür verwendeten Behälter sind bis zu 70 Kilometer unterwegs, bis sie auf den Tischen ihrer Besteller landen. Die Essensbehälter werden von der Wohnung des Kunden über diese lange Strecke per Fahrrad, Zug und Trage bis zum Arbeitsplatz transportiert. Umweltschonend ist das Liefersystem also auch noch! Dabei wächst die Lieferbranche jährlich bis zu 10 Prozent. Das Transportsystem ist hierbei das eigentlich Spannende. Es basiert auf einer einzigartigen Logistik einer Reihe von Überbringern, die in Kollektiven organisiert sind. So wurde ein Code-System für die Lieferung entwickelt, wodurch die Essensboxen mit Buchstaben, Ziffern und Farben kodiert werden. Trotz mehrfacher Übergaben auf dem langen Weg vom Sender zum Essensbesteller ist die Liefergenauigkeit hierbei unschlagbar. Nach dem Essen werden dann die leeren Behälter wieder zurückgebracht. Und mit dieser detaillierten Logistik, die hinter dem Liefersystem der Dabbawalas steckt, haben diese mit der Zeit auch das Interesse vieler Ökonomen und Unternehmer wie dem Milliardär Richard Branson geweckt.

Dabbawalas go digital

Aber auch die Dabbawalas passen sich den Neuerungen unserer Zeit an und so kann man sie mittlerweile sogar online buchen. Und auch interessierte Touristen haben die Möglichkeit, den Dabbawalas bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Auf einer etwa vierstündigen Tour dürfen sie die Lieferanten bei ihrer Arbeit begleiten und erfahren hautnah, wie dieses genial organisierte System der Auslieferung in Mumbai funktioniert.

Photo by Drew Beamer on Unsplash

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