Was ist eigentlich… Vertical Farming?

Und schon wieder ein Thema, das uns bewusst werden lässt, die Zukunft steht direkt vor der Tür. Vertical farming heißt das Projekt der Zukunft. Ein Projekt, das sich der rasant wachsenden Bevölkerung und damit dem steigenden Bedarf an Nahrung und landwirtschaftlichen Flächen annimmt. Was zuerst vielversprechend klingt, wird jedoch ebenso stark kritisiert. Was versteht man also unter vertical farming und wie visionär ist dieses Konzept tatsächlich?

Was bedeutet vertical farming?

Die Idee rund um das Konzept des vertical farmings ist bereits 1999 aufgekommen. Der emeritierte Professor der Columbia Universität, Dickson Despommier, entwickelte dieses gemeinsam mit seinen Studenten und verweist hierbei auf die rasant wachsende Weltbevölkerung, von der seiner Einschätzung nach 2050 drei Viertel  in den Städten leben werden. Für die Versorgung dieser würde man zusätzliche landwirtschaftliche Flächen von der Größe Brasiliens benötigen. Das Problem aber ist, dass Boden nicht vermehrbar ist. Leider liegt genau das Gegenteil vor, denn die nutzbare Fläche wird kleiner, da Boden durch den Klimawandel und unangepassten Landbau oder durch Überweidung und Monokultur auf Dauer verloren geht. Und so liegt es nahe, statt auf weitere Flächen auf die Höhe zu setzen. So keimte die Idee auf, Nutzpflanzen in hohen Gebäuden über mehrere Stockwerke hinweg und innerhalb der Stadt anzubauen. Die Energie, welche die Pflanzen zum Wachsen benötigen, soll durch künstliches Licht entstehen. Durch einen geschlossenen Wasserkreislauf werden sie mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Dabei passieren Zucht und Ernte vollkommen automatisch. Geht man von einem 18-stöckigen Gebäude aus, so sollen auf diese Weise 50.000 Menschen mit Nahrung versorgt werden können.

Was wird am vertical farming kritisiert?

Was durchaus vielversprechend klingt und ein wenig von der Sorge hinsichtlich der immer schneller wachsenden Bevölkerung nimmt, stößt jedoch ebenso auf kritische Stimmen. Zum einen ist es keiner Industrie bisher gelungen, ganze Räume frei von Mikroorganismen zu halten. Es scheint demnach schier unmöglich, Keime von den vertikalen Farmen entfernt zu halten. Im Gegensatz hierzu wird in der Natur alles über die Vielfalt kontrolliert. Nichts kann sich ins unermessliche ausdehnen, da jede Nische hier besetzt ist. Bei dem Versuch, alles abzutöten, fällt die Ausbreitung den überlebenden Bakterien viel leichter, da ihnen nichts im Weg steht.

Hieran schließt sich ein weiterer Punkt an, der das Immunsystem betrifft. Dieses bedarf einer ständigen Belastung, da es sonst verkümmert. Eine besonders ausgeprägte Hygiene ist Grund zahlreicher Autoimmunerkrankungen und Allergien. Die Idee hinter vertical farming ist unter anderem, die hieraus gewonnen Lebensmittel gerade Kindern und älteren Leuten zum Verzehr zu geben, da diese Gruppen ein anfälligeres Immunsystem aufweisen. Doch mit diesen vermeintlich sauberen Lebensmitteln wird das Immunsystem nicht gefördert, da es wiederum nicht ausreichend genug gefordert wird.

Zuletzt spielt wohl auch der hohe Energieverbrauch eine wichtige Rolle. Denn sowohl für den Bau der Farmen als auch für deren Betrieb, wozu Heizung, Licht, Be- und Entlüftung sowie Klimatisierung zählen, werden enorm große Mengen an Energie benötigt.

Indoor Farmen – die Farmen von morgen?

Doch nun zurück zum Positiven und nach Deutschland. Denn solche Indoor Farmen gibt es nicht nur in den USA, auch in Deutschland beschäftigen sich nicht nur Landwirte oder Botaniker mit dieser Revolution des neuen Anbauens. Auch studierte Betriebswirte nehmen sich der Sorgen um den wachsenden Bedarf an frischen Lebensmitteln an. So auch das Hamburger Unternehmen Farmers Cut, das jedoch wenig mit urbanen Gärten oder automatischen Pflanzen-Brutkästen zu tun hat. Vielmehr wurzeln die Salate auf sogenannten Wachstumsmatten und sonnen sich unter Leuchtdioden, die genau das Leuchtspektrum aufweisen, das die Pflanzen für ihre Photosynthese brauchen. In der Pilotphase des Unternehmens wurden etwa 20 Pflücksalate, Kressen, Kräuter und Sprossen angebaut, später aber soll das Sortiment über 10o Sorten umfassen.

Und wie jeder innovativ denkende Unternehmer beschäftigt sich auch das Hamburger Start up nicht nur mit den Hamburger Farmen, sondern sieht ihre Indoor Farmen bereits auf der ganzen Welt. So etwa im Nahen Osten, in Dubai, Doha oder Riad. Diese Länder bieten viel Sonne, wenig Regen und sind auf teure Gemüseimporte angewiesen. Durch den Gemüseanbau vor Ort wären diese Probleme vorerst gelöst.Wo auch immer es das Unternehmen also hinführt, in die Zukunft geht es auf jeden Fall!

Vertical Farming bietet also trotz einiger negativer Stimmen zahlreiche Vorteile und einen ersten Lösungsweg für das wachsende Problem der steigenden Bevölkerungszahl und dem hiermit verbundenen erhöhten Bedarf an Nahrungsmitteln. Würde man im nächsten Schritt Lösungswege für die genannten Probleme aufzeigen, könnte vertical farming ein Weg in eine nahrhafte Zukunft sein.

Wir halten Euch natürlich auf dem Laufenden wie es mit dem vertical farming weitergeht, bis dahin lasst es Euch weiterhin schmecken auf speisekarte.de.

Quelle: http://www.hamburg-ahoi.com/de/themen/startups/farmers-cut-hoch-lebe-der-stadtsalat/

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