Was ist eigentlich… eine Lebensmittelunverträglichkeit?

Laktose, Gluten, Histamin – drei Verbindungen, die in Lebensmitteln enthalten sind und auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Aber eben nur auf den ersten Blick. Betroffene wissen wahrscheinlich schon, um was es geht: Lebensmittelunverträglichkeiten. In den letzten Jahren richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf dieses Feld. Auch vor dem Hintergrund, dass scheinbar eine wachsende Zahl an Betroffenen unter einer Lebensmittelunverträglichkeit leidet. Aber: Nicht jedes Zwicken im Bauch ist gleich eine ausgewachsene Unverträglichkeit. Auf der anderen Seite bleiben einige Unverträglichkeiten teils über Jahre unentdeckt – weil sie sich in einem nur milden Verlauf äußern.

Zur Herausforderung – auch für Ärzte – wird die Suche nach der Ursache für Beschwerden auch vor dem Hintergrund, dass sich Unverträglichkeiten und Lebensmittelallergien in ihren Symptomen voneinander unterscheiden. Hilfreich ist in jedem Fall, den Begriff der Lebensmittelunverträglichkeit zu definieren. Eine Lebensmittelunverträglichkeit umfasst nach der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) sowohl die immunologisch vermittelte Lebensmittelallergie als auch nicht-immunologische Intoleranzen auf bestimmte Lebensmittelinhaltsstoffe. Diese Trennung ist wichtig – sowohl im Hinblick auf die Symptome als auch in Bezug auf einen möglichen Therapieansatz. Als besonders gefährlich gelten Allergien, da Patienten hier beim Kontakt mit geringen Spuren des Allergens bereits einen allergischen (anaphylaktischen) Schock erleiden können.

 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten erschweren das Leben ungemein – dies gilt umso mehr für einen Besuch im Restaurant. Quelle: @ nd3000 – #192128180 / Fotolia.com

Bekannte Lebensmittelunverträglichkeiten

Anhand der Definition wird eines sehr deutlich: Lebensmittelunverträglichkeiten decken ein sehr breites Spektrum verschiedener Krankheitsbilder ab. Einige typische Unverträglichkeiten sind inzwischen bekannt – wie zum Beispiel die Laktoseintoleranz. Andere Erkrankungen genießen deutlich weniger Aufmerksamkeit. Zu diesen Vertretern gehört zum Beispiel die Histaminintoleranz. Und dies, obwohl eine Intoleranz auf Histamin deutlich größere Einschränkungen mit sich bringt als eine Unverträglichkeit von Laktose.

  1. Laktoseintoleranz

Laktoseintoleranz bezeichnet eine Unverträglichkeit gegenüber dem in der Milch enthaltenen Zucker. Laktose besteht aus Galaktose und Glucose, die beide zwar vom menschlichen Darm verwertet werden können. Hierfür muss die Laktose aber zuerst gespalten werden. Verantwortlich hierfür ist das Enzym Laktase. Letzteres wird von Säugetieren im Dünndarm produziert.

Anders als in Europa vermehrt angenommen wird, handelt es sich bei der Laktoseintoleranz (abgekürzt LI) eigentlich um einen natürlichen Prozess der Individualentwicklung. Außerhalb Europas ist es normal, dass die Synthese des Enzyms im Erwachsenenalter zum Erliegen kommt. Fehlt Laktase, gelangt der ungespaltene Milchzucker in den Dickdarm, wo er von Mikroorganismen umgesetzt wird. Die Folge sind typische Symptome wie:

  • Blähungen
  • Völlegefühl
  • Durchfall
  1. Glutenunverträglichkeit

Gluten ist ein in vielen Getreidesorten vorkommendes Eiweiß, das auch als Klebereiweiß bekannt ist. Bei einer Intoleranz gegenüber den Eiweißbestandteilen reagiert die Dünndarmwand mit einer Entzündungsreaktion auf die Proteine. Entwickelt sich hieraus eine chronische Erkrankung, ist die Rede von der sogenannten Zöliakie. Zu den Symptomen der Erkrankung gehören:

  • Durchfall
  • Steatorrhoe
  • Bauchschmerzen
  • Gedeihstörungen (bei Kindern)
  • Defekte bei den bleibenden Zähnen
  • Geschwüre der Mundschleimhaut.

Problematisch ist die Intoleranz gegenüber Gluten aufgrund der starken Verbreitung von Getreideprodukten und der Tatsache, dass eine Intoleranz lebenslang anhält. Eine grundsätzlich glutenfreie Ernährung ohne entsprechende Unverträglichkeit scheint jedoch nicht zwingend vorteilhaft zu sein. So können sich in Einzelfällen durch eine glutenfreie Ernährung bei sonst gesunden Menschen erhöhte Risiken für Herz-Kreislaufbeschwerden einstellen.

  1. Haselnussallergie

Haselnüsse gehören zu den Baumnüssen, für die ein gewisses Allergenpotenzial belegt ist. Aufgrund des Charakters als Allergie reichen bereits geringe Spuren, um Reaktionen auszulösen. Damit unterscheidet sich die Allergie von einer Intoleranz, die oft konzentrationsabhängig ist.

Allergien auf Haselnuss sind oft bei Patienten zu finden, die auch unter einer Pollenallergie – dem Heuschnupfen – leiden. Hier kommt es zu Kreuzreaktionen auf sich ähnelnde Proteine. Diese Form der pollenassoziierten Haselnussallergie taucht in Europa häufiger auf. Gefährlicher ist die isolierte Form der Haselnussallergie. Hier reagieren Betroffene auf das Speicherprotein. Da dieses hitzestabil ist, geht das Allergenpotenzial auch durch Backen oder Erhitzen nicht zurück – es drohen schwere Reaktionen bis zu Anaphylaxie. Aufgrund dessen ist bei der Ernährung speziell bei verarbeiteten Lebensmitteln im Detail auf die Zutaten zu achten.

  1. Histaminintoleranz

Rötungen der Haut, Nesselsucht oder Juckreiz und Kopfschmerzen in Verbindung mit Atembeschwerden sowie Blähungen nach dem Verzehr von:

können auf eine Histaminintoleranz hindeuten. Histamin ist ein Gewebehormon und Botenstoff, der modulierende Wirkung bei allergischen Reaktionen hat. Hier bewirkt der Stoff unter anderem die Schwellung betroffenen Gewebes.

Histamin ist aber nicht nur ein körpereigner Stoff, sondern kommt auch in Fleischprodukten und Pflanzen vor. Bei einer Histaminintoleranz wird heute davon ausgegangen, dass es sich nicht um eine allergische Reaktion handelt. Vermutet wird eher eine Abbaustörung gegenüber dem mit der Nahrung aufgenommenen Histamin. Autoren gehen davon aus, dass es sich hier um eine erworbene Intoleranz handelt. Allerdings ist sich die Medizin bisher nicht einig, ob die Intoleranz als eigenständiges Krankheitsbild tatsächlich existiert.

Allergie vs. Intoleranz: Wie zu erkennen?

Im ersten Moment macht es vielleicht keinen Unterschied, ob eine Allergie oder eine Intoleranz vorliegt. In der Praxis – sprich für die Behandlung – ist eine detaillierte Unterscheidung wichtig. Gibt es Hinweise, mit denen Betroffene erste Rückschlüsse ziehen können? Intoleranzen beschränken sich im Wesentlichen auf den Magen-Darm-Trakt. Heißt: Es treten Beschwerden allgemein auch nur in diesem Bereich auf. Typisch sind Blähungen oder Durchfälle.

Allergien liegen andere Wirkmechanismen zugrunde. Da hier das Immunsystem sich als Ganzes gegen das Nahrungsmittel richtet, erstreckt sich das Spektrum möglicher Reaktionen über die gesamte bekannte Palette – wie Rötungen oder Juckreiz und Atembeschwerden (Stichwort Asthma). Bei einer Allergie kann die Reaktion auch sehr verzögert auftreten, bei einer Intoleranz meist nur während der Darmpassage.

Welche Einschränkungen bringen Lebensmittelunverträglichkeiten mit sich?

Generell gilt – und hier sind die Handlungshinweise für Allergien oder Intoleranzen identisch – eine Vermeidungsstrategie. Sofern bekannt ist, auf welche Nahrungsmittel der Körper reagiert, sind diese zu meiden. Besonders ausgeprägt sollte diese Vermeidungsstrategie im Zusammenhang mit Lebensmittelallergien sein. Tipp: Einige Allergene sind nicht hitzestabil, werden beispielsweise beim Kochen abgebaut.

Hierdurch kann der Alltag erheblich erleichtert werden. Im Hinblick auf viele Intoleranzen zeigen sich von Patient zu Patient unterschiedliche Toleranzgrenzen. Bis zu dieser Schwelle kann das Nahrungsmittel weitgehend nachteilsfrei verzehrt werden. Der Nachweis kann im Rahmen einer Provokationsdiät erfolgen. Egal, ob es sich um eine Intoleranz oder eine Allergie handelt – eine ärztliche Begleitung ist immer anzuraten. Der Grund hierfür sind Komplikationen, die sich ergeben können. Milde allergische Reaktionen können in diesem Zusammenhang genauso auftreten wie ein gefährliches Anschwellen der Atemwege.

Wie viele Menschen sind von Lebensmittelunverträglichkeiten betroffen?

Bestimmt sind die Bauchschmerzen jetzt wieder eine Unverträglichkeit! Viele Verbraucher sind inzwischen für das Thema Lebensmittelintoleranz sensibilisiert. Und verzichten schon einmal prophylaktisch auf Gluten oder Laktose. Dabei ist der Verzicht – so zumindest Zahlen, auf welche sich Magazine wie spektrum.de berufen – oft unbegründet. An Zöliakie beispielsweise leidet weniger als ein Prozent der Bevölkerung.

Trotzdem sind Statistiken zufolge knapp 10 Prozent der Ansicht, Gluten nicht zu vertragen. Ähnlich gravierende Zahlen lassen sich für Histaminintoleranz finden. Und auch beim Thema Laktose ist umstritten, ob viele der „Selbstdiagnosen“ am Ende nicht ganz andere Ursachen haben. Aber: Gerade bei Intoleranzen ist von einer gewissen Dunkelziffer auszugehen. Gerade milde Verläufe bleiben teils einfach zu unspezifisch.  

Fazit: Unverträglichkeiten lassen sich erkennen

Glutenfrei und laktosefrei – ein Label, das im Supermarkt inzwischen sehr oft zu finden ist. Der Grund sind Intoleranzen, die Betroffenen sprichwörtlich auf den Magen schlagen. Besonders schwierig sind Unverträglichkeiten, wenn diese verbreitete Lebensmittel betreffen – Stichwort Zöliakie. Aber auch eine Milcheiweißallergie erschwert den Alltag erheblich. Wer den Verdacht hegt, an einer Unverträglichkeit zu leiden, darf zwei Fehler niemals machen: Den Kopf in den Sand stecken und nicht zum Arzt gehen. Pauschal Lebensmittel (ohne sichere Diagnose) weglassen ist der falsche Weg. Die Medizin kennt heute Wege – unter anderem über Haut- und Bluttests – eine Sensibilisierung nachzuweisen und diese klinisch zu testen. Parallel lassen sich auch Intoleranzen nachweisen. Ein Beispiel ist der H2-Atemgastest bei vermuteter Laktoseintoleranz. Liegen Ergebnisse vor, kann mit Ernährungsberatern über Vermeidungsstrategien oder dem Arzt über eine Hyposensibilisierung nachgedacht werden.

Wo es immer schmeckt? Auf speisekarte.de.

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