Sambuca, Raki, Ouzo

Samtige Verführer mit Anis: Sambuca, Ouzo, Raki und Co

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterPin on PinterestPrint this pageEmail this to someone

Anis hat viele Freunde – vor allem in flüssiger Form. Ursprünglich als Würz- und Heilpflanze aus dem östlichen Mittelmeerraum bekannt, entzückt Anis heute als Spirituosenzutat: in Sambuca, Ouzo, Raki, Pastis und Absinth. Wie unterscheiden sich die alkoholischen Getränke voneinander, wie werden sie serviert? Wir klären auf!

Sambuca: Italienischer Likör „mit Fliege“

Schon im Mittelalter ist im italienischen Latium ein Getränk namens Sambuca bekannt – zunächst als Medizin. Rasch setzte sich der farblose Anislikör mit 38 bis 42 Prozent Alkoholgehalt als Genussmittel durch. Der mit Anis, Süßholz und weiteren Gewürzen aromatisierte Trunk ist besonders als Digestif beliebt – und dann „con la mosca“ (mit der Fliege). Der Begriff „Fliege“ steht dabei für drei Kaffeebohnen, die in dem Likör schwimmen. Woher dieser Brauch stammt, ist nicht vollständig geklärt. Die populärste Theorie besagt, dass eine ältere italienische Dame vor Jahrhunderten ihren selbstgebrannten Sambuca servieren wollte, sich dabei aber drei von der Süße des Getränks angelockte Fliegen auf das Glas setzten. Immer und immer wieder. Heute gemahnen die Kaffeebohnen an die Fliegen, und damit sie auch wirklich tot sind, wird der Sambuca beim Auftischen angezündet – und natürlich die Flamme vor dem Trinken ausgepustet! Der bittere Geschmack der Kaffeebohnen bildet einen angenehmen Kontrast zur Süße des Likörs.

Ouzo: Je länger die Lagerung, desto besser das Getränk

Bei uns gibt’s den Ouzo oft „aufs Haus“ beim Griechen um die Ecke. Ursprünglich stammt der Anisschnaps aus dem Griechenland des 19. Jahrhunderts. Der Alkoholgehalt liegt bei 37,5 bis 46 Prozent, die Zutaten sind reiner Alkohol, verschiedene Kräuter und Gewürze. Vor allem Anis oder Fenchelsamen sind für den Geschmack entscheidend. Serviert wird Ouzo in seiner Heimat mit Wasser (was für eine Eintrübung sorgt, der sogenannte Louche-Effekt) oder auf Eis. Nur Anisschnaps, der auch in Griechenland oder auf Zypern hergestellt wird, darf sich Ouzo nennen. Seine qualitativ hochwertigsten Vertreter werden gleich mehrfach gebrannt und jahrelang gelagert. Das sind dann allerdings nicht die Sorten, die „aufs Haus“ gehen …

Raki: Aperitif mit langer Geschichte

Der türkische Raki wird schon viel länger als sein griechischer „Bruder“ Ouzo getrunken – dieser Anisschnaps ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Raki hat 40 bis 50 Prozent Alkohol und ist als Aperitif bekannt, mit Wasser verdünnt oder pur. Für die Herstellung werden Weintrauben getrocknet, vergoren und anschließend destilliert. Dann sorgt die Zugabe von Anissamen für das charakteristische Aroma, bevor ein oder sogar zwei weitere Destilliervorgänge den Geschmack abrunden.

Pastis: Oh, là là!

Ein recht junger Vertreter der Anisschnäpse ist der Pastis: Erst nach dem Verbot von Absinth (siehe unten) im Jahr 1915 begannen Bauern aus der französischen Provence, einen „Pastiche“, zu Deutsch Nachahmung, herzustellen. Weitere sieben Jahre benötigte der Gesetzgeber in Frankreich, um festzustellen, dass das Getränk nicht gesundheitsschädlich sei. Seit 1938 darf der maximale Alkoholgehalt bei 45 Prozent liegen. Die Grundzutat ist Anis, dazu kommen Alkohol, Wasser, Zucker, Fenchelsamen, Süßholzwurzeln und diverse Kräuter. Traditionell wird ein Pastis im Verhältnis 1:5 serviert, also ein Teil Pastis auf fünf Teile Wasser. Auch als Longdrink, gemischt mit Cola, Bitter Lemon oder Champagner, ist Pastis beliebt.

Absinth: Die Legende

Kaum ein Getränk ist so von Mythen und Legenden umgeben wie Absinth. Verantwortlich dafür ist die Zutat Wermut, genauer gesagt gewisse Bestandteile der ätherischen Öle im Wermut, die Thujone. Ihnen wird eine halluzinogene Wirkung zugeschrieben – was im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert dafür sorgte, dass sich Absinth zum bevorzugten Getränk einer großen Künstlerschar emporschwang, darunter Gauguin, van Gogh, Toulouse-Lautrec, Poe, Hemingway und Wilde. Aber ab 1915 war Schluss mit lustig und der Absinth quasi weltweit verboten. Der damalige Vorwurf, Absinth führe zu schweren gesundheitlichen Schäden und mache abhängig, ließ sich nie erhärten, und so ist das Getränk seit der Jahrtausendwende in den meisten Ländern Europas wieder verkäuflich. Absinth enthält neben Wermut weitere Kräuter wie Anis, Fenchel, Ysop und Melisse, der Alkoholgehalt kann steile 78 Prozent erreichen. Sogar mit einem historischen Trinkritual wartet die „Grüne Fee“ (so der Spitzname von Absinth) auf: Dabei wird der Absinth zunächst in ein Glas gefüllt. Dann ein Stück Zucker auf einer Gabel (oder einen speziellen Absinthlöffel) legen und sehr langsam kaltes Wasser darüber träufeln, bis ein Mischverhältnis von 1:3 bis 1:5 erreicht ist.

Übrigens lassen sich die meisten Anisschnäpse wie zum Beispiel Sambuca auch selber brennen. Einfacher (und meist auch geschmacklich ausgereifter) ist es allerdings, hochwertige Liköre online zu bestellen, im Fachhandel zu kaufen oder im Lieblingsrestaurant zu genießen.

Schreibe einen Kommentar