Kulinarische Redewendungen: Abwarten und Tee trinken

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Nach all den schönen und den weniger erfreulichen Ereignissen, die 2016 uns gebracht hat und die wir teilweise gerne wieder vergessen würden, sind nun natürlich alle umso gespannter darauf, was das neue Jahr uns bringen wird. Wie verlaufen politische Ereignisse in diesem Jahr, was passiert im Privatleben und welche nutzlosen Fernsehsendungen werden erfunden? Jeder hat andere Fragen über die Zukunft, aber eines haben alle gemeinsam: Sie können erst einmal nicht beantwortet werden. Da heißt es ganz klar: Abwarten und Tee trinken. Aber warum eigentlich Tee? Wieso kann man beim Warten nicht auch Kaffee trinken? Wir haben uns mit dieser Frage beschäftigt und in unserer neuen Kategorie „Kulinarische Redewendungen“ einiges für Sie herausgefunden.

Bedeutung der Redewendung

Abwarten und Tee trinken ist ein Rat, den man häufig bekommt, wenn man sich gedulden und nicht voreilig handeln soll. Es bedeutet, dass man erst einmal in Ruhe alles auf sich zukommen lassen muss. Die Redewendung ist aber auch dann treffend, wenn man lieber darauf verzichten sollte, sich zu früh über etwas zu freuen, das noch nicht mit Sicherheit feststeht und eventuell schief laufen könnte. Auch wenn ein Plan oder eine Aktion eingeleitet ist und man ohne noch etwas tun zu müssen auf den Ausgang wartet, wird gerne vom Abwarten und Tee trinken gesprochen. In jedem Fall geht es immer darum, ruhig und passiv zu bleiben. Ein guter Kräutertee beruhigt ja bekanntlich die Nerven. Aber ist das auch der Ursprung dieser Wendung?

Literarischer Salon und ärztlicher Rat

Viele verbinden Tee instinktiv mit England. Doch stammt die Redewendung wirklich von den Briten? Das können wir mit Sicherheit ausschließen. Außerdem wissen wir genau, dass sie seit dem 19. Jahrhundert benutzt wird. Wo aber genau sie ihren Ursprung hat, ist unklar. Es gibt zwei Theorien zur Entstehung des Ausspruchs „Abwarten und Tee trinken“. Welche davon aber stimmt oder ob sie beide Humbug sind, werden wir aber wohl nie mit Sicherheit sagen können.

Eine der beiden Theorien zur Entstehung der Redewendung geht auf die literarischen Teeabende zurück, die im 19. Jahrhundert von der oberen Schicht der Gesellschaft veranstaltet wurden und deren Besuch zum guten Ton gehörte. Bei diesen Treffen lasen ausgewählte Literaten aus ihren Werken vor und die vermeintlich gebildeten Gäste diskutierten die Texte anschließend fachkundig. Jedoch kam es schnell dazu, dass die Teeabende verspottet wurden und man ihnen nachsagte, sie seien mehr Schein als Sein und dienten weniger der intellektuellen Unterhaltung als des Konsums von Alkohol. Und tatsächlich war es wohl so, dass viele der Gäste sich einen ordentlichen Schuss Rum im Tee genehmigten und so schnell nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte waren. Um das zu verhindern wurde der Tee mit der Zeit immer später serviert, um eine anspruchsvolle Konversation aufrecht zu erhalten. Es kann also sein, dass „Abwarten und Tee trinken“ in dieser Zeit zu einer geläufigen Redewendung wurde.

Eine andere Entstehungstheorie bezieht sich eher auf die Medizin. Ich zufolge geht der Ausspruch auf einen Arzt zurück, der seinen Patienten Tee trinken und Ruhe verordnet und ihnen rät, den Krankheitsverlauf erst einmal zu beobachten. Oft wird dies dem Schäfer Heinrich Ast aus der Lüneburger Heide zugeschrieben, der einst mit einer Kräutermischung Aufsehen erregte.

Andere Länder, andere Redewendungen

Geläufig ist die Redewendung „Abwarten und Tee trinken“ nur in der deutschen Sprache. Eine wörtliche Übersetzung würde also keinen Sinne ergeben und das anderssprachige Gegenüber wohl nur verwirren. Allerdings gibt es natürlich in jeder Sprache ein Pendant zu dem Ausspruch, dass in etwa die gleiche Bedeutung hat. So sagt man im Englischen zum Beispiel „wait and see“ oder „wait and wonder“ und im Französischen heißt es „attendre et voir venir“. Versuchen Sie sich also nicht an einer wörtlichen Übersetzung, wenn Sie nicht die Intention haben, für einen Schmunzler zu sorgen.

Damit Sie beim Warten auch eine andere Beschäftigung haben als nur Tee zu trinken, haben wir einige spannende Tee-Rezepte für Sie gefunden. Gegen die bald anstehende Frühjahrsmüdigkeit hilft ein selbstgemachter Frühlingstee (Rezept). Wer jetzt aber erstmal eine wärmende Minestrone (Rezept) bevorzugt, kann auch dabei Tee nutzen! Ein leckeres und zugleich gesundes Dessert gibt es auch mit Tee, nämlich Grapefruit in Gelee (Rezept). Und für Kindergeburtstage und Halloweenfeiern eignene sich diese gruseligen Matcha Marshmallow Monster (Rezept).

Wir wünschen viel Spaß beim Ausprobieren und kurze Wartezeiten im neuen Jahr!

 

Beitragsbild von alexxis, CC BY-ND 2.0

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