Wie aß man im … Mittelalter?

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Wissen Sie wie alt das älteste deutsche Kochbuch ist?

Es heißt “ Das Buoch von guoter Spise“  und ist über 650 Jahre alt, wurde also im Mittelalter geschrieben. Aber was kochten und aßen die Menschen eigentlich zu dieser Zeit?

Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst zwischen der normalen Bevölkerung und dem Adel unterscheiden. Generell galt aber: Es wurde gekocht, was es gerade auf den Äckern und in den Gärten zu ernten gab. Das lag daran, dass importierte Waren sehr selten und teuer waren und die regionalen Produkte nicht oder nur begrenzt konserviert werden konnten. Nur Getreide ließ sich gut aufbewahren und war somit, verarbeitet zu Brot oder Brei, auch das Hauptnahrungsmittel im Mittelalter. An Brot gab es vor allem dunkles und körniges Roggenbrot, aber auch Hirse, Hafer und Dinkel gehörten auf den mittelalterlichen Speiseplan. Weizenmehl hingegen, welches heutzutage am meisten konsumiert wird, galt als wertvoll und war somit den oberen Schichten vorbehalten.

Im Gegensatz zur Oberschicht lebte die breite Masse der Bevölkerung in Armut und hatte meist nicht genug zu Essen. Vor allem die hohen Abgaben an den Adel und Missernten führten zu Lebensmittelknappheit. Neben Getreideprodukten aßen die einfachen Menschen vor allem das, was in ihrem Garten wuchs. Das waren hauptsächlich Kräuter, Zwiebeln, Kohl, Lauch und Knoblauch, sowie Hülsenfrüchte, wie zum Beispiel Bohnen und Linsen. Außerdem aßen sie, was in der Natur zu finden war, also unter anderem Beeren, Nüsse, Brennnesseln, Eicheln, usw. Je nachdem wie wohlhabend eine Familie war, konnte sie auch Vieh halten und kam somit in den Genuss von Milch- und Fleischprodukten, die als Luxus galten. Allgemein war die Ernährung des Pöbels sehr eintönig und man war froh, wenn es überhaupt genug zu essen gab.

Bei der Oberschicht sah die Ernährung ganz anders auch. Hier verschmähte man einen Großteil von dem, was der Rest der Bevölkerung auf den Tellern hatte. Vor allem Obst und Gemüse das auf dem Boden oder unter der Erde wächst galt als Armeleuteessen. Alles was von Bäumen geerntet wird wurde hingegen als „höhere“ Frucht angesehen, weswegen Äpfel, Birnen, Kirschen und Feigen an den Adel abgegeben werden mussten und nicht von den Bauern selbst gegessen werden durften. Außerdem hatte der Adel das alleinige Jagd- und Fischereirecht und ernährte sich folglich eher von Wild und Fisch als von den Zuchttieren der Bauern. Aufgrund dieser Privilegien und da ihnen ein Teil der Ernte der Bauern zustand, gab es an den Königs- und Fürstenhöfen sowie auf den Burgen fast immer reichlich zu Essen. Zudem nahm der Handel in Europa stetig zu und es kamen immer mehr exotische Speisen auf den Tisch. Dazu gehörten beispielsweise Gewürze wie Pfeffer, Muskatnuss und Safran. Ein weiterer Luxus der Oberschicht waren Süßspeisen. Hierbei wurde vor allem Honig zum Süßen verwendet. Da Zucker noch nicht bekannt und Honig wertvoll war, blieben Süßspeisen der reichen Bevölkerung vorbehalten. Wer genügend hatte, wollte dies auch zeigen, meist im Rahmen großer Feste, die sich häufig über Tage oder sogar Wochen hinzogen. Bei diesen oft ausschweifenden Festen gab es nicht nur reichlich Wein, Bier und Met, sondern auch sehr viel zu Essen. Meist bestand ein großes Festmahl aus mehreren Gängen, die vor allem aus Fleisch, wie zum Beispiel Wildschwein, Fasan, Reh, Schwan, Rebhuhn, Kaninchen und vielem mehr, bestanden. Dabei waren die Köche sehr kreativ was die Zubereitung anging, indem sie immer andere Braten– und Pasteten-Füllungen kreierten und Speisen unterschiedlich kombinierten. Auch die Dekorationen waren oft sehr kreativ, so wurden zum Beispiel Schwäne oder Gänse nach der Zubereitung wieder in ihr Federkleid gesteckt. Als Teller verwendete man häufig große Brotfladen und man aß nur mit Löffel und Messer, da die Gabel im Mittelalter als Teufelswerkzeug galt.

Sie würden so ein Mahl gerne einmal hautnah miterleben? Dann gehen Sie doch in eines der deutschlandweit verbreiteten Restaurants die authentische Ritteressen anbieten und genießen sie in mittelalterlicher Atmosphäre, was ihre Vorfahren einst gegessen haben. Auf speisekarte.de finden Sie eine Übersicht an Restaurants in Ihrer Nähe.

Oder versuchen Sie zuhause mittelalterlich zu kochen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Bier– oder Brennnesselsuppe zur Vorspeise (Rezept), gefolgt von Mortel (Hühner-Schweine-Pfanne) (Rezept) und einem Birnenpudding (Rezept) zum Nachtisch?

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Nachkochen oder beim Ritteressen im Restaurant!

Schlemmerquiz-Auflösung: Wir wollten wissen, womit im Mittelalter in Europa NICHT gegessen wurde?
a) Messer
b) Löffel
c) Gabel

Die richtige Lösung lautet: c – Gabel

Bild: Dinah Maria Mulock
Quelle: wikimedia commons

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