Die Biergartenkultur in Deutschland

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Es ist Sommer! Die Sonne lacht, die Vögel zwitschern und die Bäume erstrahlen in einem saftigen grün. Was kann es da Schöneres geben als einen entspannten Nachmittag im Biergarten? Hier kann man sich erholen, nette Leute treffen und ein kühles Bier genießen. Doch wie und wann entstand eigentlich die deutsche Biergartenkultur?

Laut Definition ist ein Biergarten „eine traditionelle Einrichtung, eine im freien gelegene Schank- und Speisewirtschaft, die in erheblichem Umfang mit Bäumen bepflanzt ist und wo der Verzehr mitgebrachter Speisen möglich ist“. Diese Beschreibung kann aber auch in einem weiteren Sinn aufgefasst werden. Heute zählen allgemein gastronomische Einrichtungen im Freien oft als Biergarten, diese werden in Bayern und Österreich aber „Wirtsgarten“ oder „Gastgarten“ genannt. Jedoch sind die noch bestehenden traditionellen Biergärten alles andere als kleine, lauschige Plätzchen mit ein paar Tischen und ein oder zwei Bedienungen. Die beliebtesten Biergärten Münchens nehmen oftmals den Platz mehrerer Fußballfelder ein!

Um dieses Kulturgut zu schützen, gibt es in Bayern sogar eine Biergartenverordnung. Diese sieht eine wichtige soziale Funktion in traditionellen Biergärten, da sich dort breite Schichten der Gesellschaft aus unterschiedlichen sozialen Situationen treffen und austauschen können. Außerdem gelten Biergärten laut dieser Verordnung als Naherholungsziele in Ballungsräumen und dürfen deshalb von Ausnahmeregelungen Gebrauch machen, die Nachtruhe und Lärmschutz betreffen.

Ihren Ursprung hat die deutsche Biergartenkultur, wie erwartet, in Bayern, und zwar am 04.01.1812. An diesem historischen Tag erlaubte Bayerns damaliger König Max I. den Münchner Brauereien ihr selbst gebrautes Märzenbier und Brot direkt an Gäste auszugeben. Diese Erlaubnis war das Ende eines Streits um Schankrechte, der seit Jahren zwischen Wirten und Bauern getobt hatte. Allerdings durften die Bauern nichts außer ihr eigens Bier verkaufen.

Der Gerstensaft wurde natürlich auch Jahre zuvor schon konsumiert, jedoch beschränkt auf die Wintermonate, da das Getränk sehr leicht verderblich war. Deshalb legten die großen Münchner Brauereien, die es sich leisten konnten, tiefe Keller an, in denen das Bier ganzjährig mit Eis gekühlt werden konnte. Oft wurden oberhalb der Keller Kastanienbäume gepflanzt und Kies ausgestreut, um noch mehr Kühlung zu schaffen. Unter diesen Kastanien begannen sich die Münchner zu versammeln und verlangten Bier „in Minuto“, also glas- statt fassweise. Dieser Nachfrage kamen die Bauern in den Brauereien gerne nach und obwohl sie kein Essen verkaufen durften, waren sie harte Konkurrenz für umliegende Wirtshäuser. Die Gäste begannen sich ihre Vesper sowie Tischdecken, Holzbrettchen und manchmal sogar Kerzen selbst mitzubringen, was die Tradition deutscher Biergärten bis heute prägt.

Bei einem Besuch im Biergarten gibt es einiges zu beachten, vor allem für Nordlichter und andere Landsmänner und -frauen, die mit süddeutschen Biergärten und den Gepflogenheiten beim Besuch eines solchen nicht vertraut sind. Um das typische Aussehen zu erzeugen, sollten die Tischdecken kariert und möglichst aus Stoff sein, das bayerische Rautenmuster darf sie aber nicht enthalten. Als Unterlage für die Biergartenbrotzeit werden Holzbrettchen empfohlen. Bei dieser Brotzeit dürfen einige Spezialitäten nicht fehlen, zum Beispiel Radi (Rettich), Leberkäse, frische Landbutter, Salz, Pfeffer, Senf, Obatzda und andere Brotbeläge wie Tomaten, Radieserl oder Griebenschmalz. Das Essen sollte in jedem Fall selbst mitgebracht werden, denn die geschäftstüchtigen bayerischen Biergartenwirte langen bei den Preisen ihres Speisenangebotes oft ordentlichen zu! Außerdem sollte man die Tradition des selbst mitgebrachten Essens bei einem Besuch eines traditionellen Biergartens wahren und so die Vorzüge dieser Kultur genießen.

Der größte Biergarten der Welt, der natürlich in München liegt, ist der Königliche Hirschgarten. Hier finden rund 8000 Gäste Platz und die Geschichte der Institution lässt sich bis ins Jahr 1791 zurückverfolgen! Das Bier wird hier bis heute aus dem sogenannten „Hirschen“ gewonnen, einem 200 Liter Holzfass. Der Name des Fasses geht auf die Jagdgesellschaften König Ludwig I. zurück.

Zum Glück gibt es schöne Biergärten mittlerweile in ganz Deutschland und wenn Sie nun Lust bekommen haben, einen solchen zu besuchen und ein kühles Bier unter schattenspendenden Kastanienbäumen zu genießen, kein Problem! Suchen Sie einfach nach einem Biergarten in Ihrer Nähe auf speisekarte.de und einem erholsamen Nachmittag oder Abend steht nichts mehr im Wege!

Bild: tomwieden | pixabay

 

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