Kräuter- und Gewürzkunde: Liebstöckel

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Wenn die Sonnenstrahlen wieder wärmer werden und die ersten Blumen ihre Pracht entfalten, so sagt man, fühlen auch wir uns mehr und mehr von Frühjahrsgefühlen beflügelt. Namentlich wird dem Frühling dabei wohl kein Gewürz mehr gerecht als der Liebstöckel. Aber wie viel Liebe steckt tatsächlich in dem pikanten Küchenkraut?

So lieblich der Name des Liebstöckels auch klingen mag, viel vorstellen können sich darunter wohl die wenigsten. Die umgangssprachliche Bezeichnung „Maggikraut“, unter der das Gewürz in deutschen Küchen wohl eher bekannt ist, bringt hingegen schon mehr Licht ins Dunkle und lässt die Geschmacksrichtung erahnen. Und tatsächlich beruht dieser Beiname auf der Würzsauce eines namhaften Lebensmittelherstellers – enthalten ist Liebstöckel darin aber in keinster Weise. Grund für die namentliche Verwandtschaft ist vielmehr der maggiartige Geruch der Liebstöckelstaude, der auf die enthaltenen ätherischen Öle zurückzuführen ist. Ähnlich ist aber auch die Verwendung, denn so wie die Würzsauce, werden auch die frischen Blätter des Liebstöckels zum verfeinern von Suppen, Soßen und Eintöpfen verwendet; in Deutschland auch gerne zu Kartoffeln (Rezept).

Doch nicht nur die Blätter eignen sich ideal für unseren Kochtopf, denn auch Wurzel und Samen, meist in getrockneter Form erhältlich, weisen den typischen, dem Sellerie ähnlichen, Charakter auf. So nutzt man die Samen beispielsweise für Quark, Braten, Gebäck und Käse, die Wurzel zur Gewinnung von Magenbitter und Likör. Da diese Bestandteile aber, ebenso wie frische Liebstöckelblätter, sehr kräftig und herb im Geschmack sind, sollte man beim Würzen Vorsicht walten lassen und lieber nach und nach eine Messerspitze zu den Speisen hinzugeben, um nichts zu verderben. Trocknet man die Blätter geht das zu Lasten des Geschmacks, denn auf diese Weise verliert der Liebstöckel einen Großteil seines Aromas.

Glück dem, der Liebstöckel frisch aus dem eignen Garten ernten kann. Da das Küchenkraut keinesfalls eine heimische Pflanze ist, sondern ursprünglich während der Antike vermutlich im Mittleren Osten oder Persien angebaut und von dort über das Mittelmeergebiet nach Europa importiert worden ist, bevorzugt sie auch in unseren Gefilden ein eher sonniges, nährstoffreiches Plätzchen und ist als Wildwuchs nur vereinzelt anzutreffen. Ein weiteres Kriterium das der Standort in unseren Kräuter- und Gemüsegärten unbedingt erfüllen sollte ist: viel Platz. Denn die Staude kann eine stolze Höhe von bis zu zwei Metern erreichen, womit eine einzige Pflanze für den alltäglichen Hausgebrauch völlig ausreicht. Schon im April sind die Blätter des Liebstöckels „reif“ und stehen uns als kleine Küchenhelfer zur Verfügung. Bei den Samen muss man sich bis zur Blütezeit im August gedulden, bei den Wurzeln sogar bis Oktober, kurz vor dem ersten Frost.

Neben Küche und Garten ist Liebstöckel auch in unserer Hausapotheke ein willkommener Gast. Besonderes bei Verdauungsproblemen und Magenbeschwerden, wie z.B. Appetitlosigkeit und Blähungen, wirken die ätherischen Öle des Liebstöckels wie eine heilende Droge. Die getrocknete Wurzel verspricht dank ihrer harntreibenden Wirkung Heilung bei Harnwegsinfekten, beugt Nierenproblemen vor und ist in Form von Diuretika in Apotheken erhältlich. Und auch als menstruationsförderndes und schleimlösendes Mittel wird das Gewürz heute in der Volksmedizin eingesetzt. Für medizinische Zwecke wird Liebstöckel häufig als Tee getrunken oder als Badezusatz verwendet.

Zwar ist Liebstöckel sehr beliebt, mit der Liebe hat das Gewürz allerdings nicht viel am Hut. Die Namensgebung  beruht  vielmehr auf jahrelangen Übersetzungsungenauigkeiten, angefangen in der Antike beim lateinischen „Ligusticum“ und „Levisticum“ (aufgrund des vermuteten Herkunftsortes Legurien), über das althochdeutsche „lubistechal“  bis hin zum heute bekannten Liebstöckel. Letztere Bezeichnung sorgte im Mittelalter für allerlei Aberglaube rund um die mysteriöse Pflanze. So wollten junge Mädchen ihren Liebsten betören, indem sie kleine Liebstöckelzweige unter ihrer Kleidung trugen und am Siebenbrüdertag (10. Juli) Liebstöckel zu kauen sollte noch im selben Jahr zu Heirat führen und sieben männliche Nachkommen bescheren.

Liebstöckel eignet sich für eine Reihe von Speisen und harmoniert mit allen deftigen Küchengewürzen wie z.B.  Majoran und Knoblauch. Verwenden Sie das beliebte Maggikraut doch selbst einmal beim Kochen und versuchen Sie sich dabei ganz traditionell an einem Eintopf mit Liebstöckel (Rezept), Linsensuppe (Rezept) oder gar an selbstgemachtem Ketchup (Rezept).

Wer sich heute lieber einmal bekochen lassen möchte,  findet auf speisekarte.de zahlreiche Restaurants, die Liebstöckel auf ihrer Speisekarte führen und kann so bei einem romantischen Dinner den mittelalterlichen Mythos um das verführerische Gewürz wieder aufleben lassen.

Liebstöckel war übrigens die richtige Antwort auf die 95. Frage im Schlemmerquiz: Welches Küchenkraut hat mit Maggi und Liebe nicht so viel am Hut wie es scheint?

Bild: Levisticum officinale, in a garden in Belgium von Jamain
Quelle: Wikimedia

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