Was ist eigentlich … nachhaltiger Fischfang?

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15,7 kg – so viel Fisch isst jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Und das soll er auch! Denn Fisch ist eines der beliebtesten und nahrhaftesten Lebensmittel das Mutter Natur uns bietet. Bereits 200g decken den Tagesbedarf eines erwachsenen Menschen an tierischem Eiweiß und liefern dem menschlichen Körper zudem wichtige Stoffe wie Aminosäuren, Jod und Omega-3-Fettsäuren. Wissenschaftlich erwiesen sollte man mindestens einmal pro Woche Fisch zu sich nehmen – Ökologisch gesehen allerdings ein heikles Thema, wenn man zum „falschen“ Fisch greift. „Nachhaltig einkaufen“ heißt das Zauberwort, das unsere Meere schont und uns Genuss ohne schlechtes Gewissen garantiert.

Um bedrohten Tieren das Überleben zu sichern gibt es bereits zahlreiche Organisationen und Aktionstage, wie auch den Tag des Artenschutzes am 3. März. Bereits 1973 durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen ins Leben gerufen, dient er dem Schutz wildlebender Tier- und Pflanzenarten.

Besonders betroffen sind hierbei Fische und Meeresfrüchte: insgesamt 100 Millionen Tonnen werden weltweit jährlich verzehrt. Gefangen werden diese ungeheuren Mengen mit Hilfe neuster Technik, so dass bereits über 30% der Fischbestände überfischt sind. Aber nicht nur die Masse, sondern auch der aus den Fischfängen resultierende Beifang stellt eine Bedrohung für das Ökosystem Meer dar. Das sind andere Meeresbewohner wie Wale, Haie, Schildkröten oder auch Jungfische, die massenweise mitgefangen und durch die Netze verletzt oder getötet zurück ins Meer geworfen werden. Um sagen zu können, wo überhaupt gefischt werden darf und wo die Fischbestände bereits zu schwach sind, sind Seen und Meere durch die Welternährungsorganisation (FAO) in Fanggebiete  eingeteilt. Diese erstrecken sich oft über weite Flächen – ebenso die darin lebende Fischart. Dies hat zur Folge, dass ein und dieselbe Art nicht überall in diesem Gebiet den gleichen Gesundheitszustand aufweist oder mit derselben Fangmethode gefischt wird. Daher ist es notwendig die großen Fanggebiete in sogenannte Sub-Fanggebiete zu unterteilen, um den Zustand der einzelnen Bestände genauer benennen zu können

Gerade die Favoriten der Deutschen Alaska-Seelachs, Hering und Lachs führen die Spitze der bedrohten Fischarten an. Besonderen Abstand sollte man dabei von Lachs aus dem Nordost-Atlantik oder Hering aus den Keltischen Meeren und der Ostsee nehmen. Aber auch weitere bekannte Arten wie Zander, Heilbutt, Forelle, Garnelen und Jakobsmuscheln reihen sich in die Liste der Bedrohten ein. Allerdings gibt es einige Ausnahmen, die den Verzehr dieser Arten durchaus vertretbar machen. Beeinflussen kann dies aber nur der Verbraucher selbst – durch sein Einkaufsverhalten. Man sollte Fisch in Maßen genießen, am besten auf regionale Anbieter zurückgreifen und beim Kauf unbedingt die Produktkennzeichnungen beachten. Nur wenn Fangmethode, Fanggebiet und Sub-Fanggebiet angegeben, transparent und rückverfolgbar sind, kann man sich als Kunde auf das Etikett verlassen; ist das Produkt hingegen nur unzureichend gekennzeichnet sollten Bedenken auftreten. Hier ein kurzer Überblick der entscheidenden Angaben:

–    Handelsname und lateinischer Name der Fischart, z.B. Kabeljau (Gadus morhua)
–    Fanggebiet der Welternährungsorganisation FAO, z.B. Nordatlantik (FAO 27)
–    Sub-Fanggebiet, z.B. Norwegische See
–    Fangmethode, z.B. Ringwade

Verlassen kann man sich als Kunde auch auf Bioprodukte mit einem Siegel von Bioland und Naturland oder auf Wildfänge mit MSC-Siegel (Marine Stewardship Council), das mittlerweile 12.000 Produkte weltweit nach ihrer Vertretbarkeit einstuft. Wer auf Nummer sicher gehen möchte ist aber auch mit Alternativen zu den bereits oben genannten sehr gefährdeten Arten gut bedient: hierzu zählen grundsätzlich Karpfen und Regenbogenforelle (Rezept), am besten aus Öko-Aquakulturen; diese kann  man ohne Bedenken genießen. Wer auf die folgenden Fischsorten aber keineswegs verzichten will, sollte unbedingt auf das Fanggebiet achten oder auf einen unserer Vorschläge zurückgreifen:

Vorsicht! Alternative
Alaska-Seelachs, NW-Pazifik Seelachs, Köhler NO-Arktis
Hering, Keltische Meere, Ostsee Hering, NO-Atlantik
Kabeljau, Dorsch, NO-Atlantik, Pazifik
bis auf Island, NO-Arktis, Norwegische See, Ostsee
Kabeljau, Dorsch, östliche Ostsee
Sardelle, Mittelmeer Sardelle, Biscaya
Steinbutt, Seezunge Saibling
Seezunge Rotzunge
Roter Thun, Gelbflossenthun Fregatten-Makrele
Gelbflossenthun Albacore Thunfisch
Atlantischer Lachs Regionale Produkte, z.B. Alpenlachs

Wer sich nicht sicher ist, was beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten genau zu berücksichtigen ist oder wer sich grundsätzlich informieren möchte, findet Informationen und detaillierte Listen der bedrohten Fischarten und ihren Alternativen auf Internetseiten der bekannten Umweltorganisationen (z.B. Greenpeace oder WWF).

Suchen Sie auf speisekarte.de doch einfach mal nach Fischrestaurants in Ihrer Nähe.

Fisch war übrigens die richtige Antwort auf die 91. Frage im Schlemmerquiz: Welches Nahrungsmittel wird u.a. durch das MSC-Siegel zertifiziert und als ökologisch vertretbar eingestuft?

Bild: Rio von Aquos
Quelle: Wikimedia

Seelachs, Köhler NO-Arktis (Wildfang)

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