Kräuter- und Gewürzkunde

Gewürzkunde: Ingwer

Aus der asiatischen Küche wäre er nicht wegzudenken und auch in Europa gewinnt Ingwer wieder zunehmend an Bedeutung. Noch vor einigen Jahren war Ingwer in der europäischen Küche weitestgehend unbekannt und unbeliebt. Dabei war das einmal ganz anders. Im 9. Jahrhundert schon wurde Ingwer in Deutschland bekannt. Ingwer stammt aber eigentlich aus den Tropen und wird in Ländern wie Indien, Nigeria oder China angebaut. Doch seine ursprüngliche Herkunft ist nicht gänzlich geklärt.

Was ist Ingwer?

Die schilfartige Pflanze wird sowohl als Nahrungsmittel oder Küchengewürz sowie als Arzneimittel gebraucht. Für den Verzehr verwendet man überwiegend den grünen Ingwer, hierunter versteht man die Rhizome, die Knollen des Ingwers, wie man sie aus dem Gemüseregal kennt. Sie haben eine gelb-braune Farbe und einen aromatischen Geschmack.

Ingwer ist Geschmackssache. Sein fruchtig-scharfer Geschmack wird von vielen Menschen unterschiedlich empfunden. Während ihn manche als scharf oder beißend bezeichnen, empfinden ihn andere wiederum als wohlig-warm und aromatisch. Dabei kommt es allerdings auch auf den Zeitpunkt der Ernte und das Herkunftsland an. Der jamaikanische Ingwer schmeckt am intensivsten, der nigerianische Ingwer hat den schärfsten Geschmack, während der Ingwer aus China den aromatisch-exotischen Geschmack besitzt. Für diesen besonderen Geschmack sind die Inhaltsstoffe Gingerol und Shoagol verantwortlich.

Wie isst man Ingwer?

Ingwer kann vielseitig in der Küche eingesetzt werden. Vor allem in der asiatischen Küche spielt er eine tragende Rolle. So wird in der Regel zu jedem Sushi, neben Wasabi und Sojasauce eine große Portion „Gari“ gereicht. Darunter versteht man in Essig eingelegten Ingwer, der immer zwischen dem Verzehr der Sushiportionen gegessen wird, um den Fischgeschmack zu neutralisieren.

Ingwer eignet sich auch gut als Gewürz für Suppen, wie Möhren-Orangen-Ingwer-Suppe (Rezept), und Eintöpfe oder pur zu Lamm, Fisch, Meeresfrüchten oder Geflügel, zum Beispiel als Ingwerhähnchen (Rezept).

In der modernen Fusionsküche, die verschiedene Kochkünste, Nationalküchen und Esskulturen vereint, wird Ingwer häufig verwendet. Und selbst einer der bekanntesten und besten Köche Deutschlands schwört auf dieses Gewürz: Alfons Schuhbeck.

Aber Ingwer schmeckt nicht nur zu deftigen Speisen. Kandierter Ingwer (Rezept) ist die wohl bekannteste süße Variante, entweder pur oder in Schokolade und Gebäck. In Großbritannien wird Ingwer zu Konfitüre oder zu Ginger Bread, einer Art Pfefferkuchen, zubereitet und erfreut sich dort einer großen Beliebtheit.

Auch als Getränkezusatz wird Ingwer häufig genutzt, beispielsweise in Ginger Ale, einer Limonade mit Ingwergeschmack,  in Ingwerbier oder aufgebrüht zu einem Tee.

Neben seinem einzigartigen Geschmack hat Ingwer aber auch eine andere besondere Eigenschaft, die ihn so beliebt gemacht hat. Ingwer wird seit Jahrtausenden schon als antioxidatives, antiemetisches und entzündungshemmendes Heilmittel gegen unterschiedlichste Krankheiten und Leiden verwendet.

Die antiemetische Wirkung des Ingwers beugt sogar Erbrechen vor und hilft nachgewiesenermaßen gegen Reiseübelkeit und Schiffskrankheit. Das Schnäpschen nach einem schweren, fettreichen Essen kann mit ein wenig Ingwer durchaus ersetzt werden.

Das Heilmittel Ingwer

Zudem hat Ingwer eine hemmende Wirkung bei Entzündungen und auf die Blutgerinnung. Dies verhindert die Anfälligkeit für Thrombose und Schlaganfälle. Die durchblutungsanregende Wirkung lässt sich zudem mit einem Bad gegen Muskel-, Gelenks- und Rheumabeschwerden nutzen.

Ingwer ist aber auch als Tee ein wirksames Mittel gegen Erkältung und inneres Frösteln. Der Ingwertee fördert die Durchblutung und schafft von innen eine wohlige Wärme. Für den Tee wird ein etwa zwei Zentimeter großes Stück in dünne Scheiben geschnitten und mit kochendem Wasser aufgebrüht. Nach fünf Minuten ist der Tee fertig und mit ein bisschen Honig oder Zitrone lässt sich der Geschmack verfeinern.

Ingwer ist auch in getrocknetem Zustand oder als Pulver erhältlich. Beide Varianten sind aber nicht zu empfehlen, da deren Aroma keinesfalls mit dem von frischem Ingwer zu vergleichen ist.

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Bild: „Ngang“
Quelle: Wikimedia

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